Fassungslosigkeit und Entsetzten über wahr gewordene Befürchtungen lassen seit dem Morgen des 24. Februars 2022 schier den Atem der Welt stocken. Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine umfassende Invasion der Ukraine gestartet, Panzer rollen, Bomben fallen, es ist Krieg. Krieg in Europa. Angst und Bestürzung machen sich breit, das Schlachtfeld ist nicht irgendwo, es ist nur zwei Flugstunden von uns entfernt. Verschiedene Gefühle, Mitleid mit den Angegriffenen in der Ukraine, Wut auf den Aggressor aus Russland, Angst, was noch kommen und welches Leid noch geschehen wird, tun sich auf.
Wie sehr diese, noch vor einer Woche kaum vorstellbare Kriegsituation die Menschen auch in Simbach bedrückt, wurde allein beim ökumenischen Friedensgottesdienst am frühen Abend des Faschingsonntages in der Stadtpfarrkirche St. Marien deutlich. Das große Gotteshaus war mit Einhaltung der geltenden Abstandsregelung voll gefüllt. Auf den Stufen vor dem Altar waren lilafarbene Tücher ausgelegt, auf der letzten Stufe stand ein Bild in den Farben der Ukraine blau und gelb mit einer weißen Friedenstaube in der Mitte. Die Mitbetenden waren eingeladen, Kerzen zu entzünden und die brennenden Lichter als Zeichen für den Frieden auf die Tücher zu stellen. Die Gläser mit den Lichtern reichten nicht aus, weitere Kerzen wurden gebracht. Ein Lichtermeer leuchtete schließlich.
Dekan Joachim Steinfeld und der evangelische Pfarrer Christian Muschler hatten aufgerufen, sich im gemeinsamen Gebet mit den Opfern des Krieges zu verbinden und Frieden für die Ukraine zu erbitten.
„Als Christen verurteilen wir kriegerische Gewalt und deshalb auch die Invasion der Ukraine durch Russland. Dies ist ein Angriffskrieg, der dem Völkerrecht und der christlichen Friedensethik zuwiderläuft.”
„Die Außenministerin unseres Landes sagte nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine, dass wir in einer anderen Welt aufgewacht sind. Ich bin mir da nicht ganz so sicher, denn auf jeden Fall ist diese Welt weiterhin Gottes Welt“, so der evangelische Pfarrer Christian Muschler, der auf das Wort des Apostel Paulus verwies: „Die Liebe hört niemals auf“
„“Die Liebe hört niemals auf.” Sie ist der Gewalt überlegen, ihr gehört die Zukunft, nicht der Gewalt. Daran müssen wir festhalten.”
“Die Liebe ist der Gewalt überlegen, ihr gehört die Zukunft, nicht der Gewalt. Daran müssen wir festhalten, indem wir entschieden den Respekt vor der Würde eines jeden Menschen leben. Die Verteidigung unserer Demokratie, nach außen, aber auch nach innen, das muss unsere Antwort sein auf den Angriff auf die Ukraine. Diese Welt ist Gottes Welt und darum darf auch jenes Bibelwort wahr werden, dass uns Gott nicht einen Geist der Furcht gegeben hat, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Darum habe ich keinen Zweifel daran, dass wir in der Besinnung darauf die Besonnenheit finden, die in diesen Zeiten notwendig ist. Wir müssen nicht sprachlos bleiben in unserer Ohnmacht. Unsere Sorgen um die Menschen in der Ukraine, unsere Sorge um die weitere Entwicklung dieser Krise dürfen wir vor Gott bringen, der sich uns nicht verschließen, sondern uns gewiss machen wird, dass die Liebe niemals aufhört“, sagte Muschler.
Gemeinsam wurde das Gebet um Frieden gesprochen. „Angesichts des Krieges in der Ukraine, der zunehmenden Spaltung Europas, der zahlreichen Kriegsschauplätze auf der Welt, der zerbombten Städte und angesichts der unzähligen Toten, angesichts der vielen Kinder, die unter den Kriegen leiden, der Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, der immer wieder stockenden Friedensbemühungen, der Terroranschläge, Gewalttaten und Verbrechen auf der ganzen Welt: „Stärke die Sehnsucht nach Frieden“. „Lass deinen Frieden wachsen in den Herzen der Menschen, unter den Völkern, unter den Religionen, wenn Hass alles zerstört, wenn Menschen zu Waffen greifen“. „Herr, mit deiner guten Schöpfung, mit allen Menschen auf der Erde, lass uns in Frieden leben“ wurde gebetet und zum Schluss das „Vater unser“.
Die besondere musikalische Gestaltung des Friedensgottesdienstes erfolgte durch Regionalkantor Christian Debald an der Orgel und dessen Frau Martina (Gesang). Einige Minuten vor Beginn der besinnlichen Stunde erklang eine Improvisation über den Choral „Da Pacem domine“, zum Einzug „Meine engen Grenzen“, nach der Lesung das Lied „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen“, zum Kerzenanzünden eine Meditation über die ukrainische Nationalhymne und zum Auszug „Verleih uns Frieden gnädiglich“.
Unter den Mitbetenden waren auch 1. Bürgermeister Klaus Schmid und 3. Bürgermeisterin Christa Kick.
Bericht von Christina Schmid