Mit der Feier vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstagabend beginnt das sogenannte Triduum, die heiligen drei österlichen Tage. In zwei großen Gottesdiensten, einer in Dreifaltigkeit und einer in Ulbering, wurde der Fußwaschung und des Letzten Abendmahles gedacht. Pfarrer Steinfeld in Dreifaltigkeit und Kaplan Pöschl in Ulbering wuschen jeweils zwölf Gemeindemitgliedern stellvertretend für alle Menschen die Füße als Zeichen der Demut und Liebe. Nach dem Gloria verstummten Glocken und Orgel, jetzt stand das Leiden Jesu im Vordergrund. Der Tabernakel wurde geleert, die Altäre abgeräumt.
Ganz mit dem Kreuz im Mittelpunkt wurde auch der Karfreitag begangen. In zwei Feiern für Kinder und Familien am Vormittag in Dreifaltigkeit und Ulbering, mit der Karfreitagsliturgie am Nachmittag in den einzelnen Pfarreien und mit sogenannten Grabwachen wurde an das Leiden, den Tod und die Grablegung Jesu erinnert, wodurch Christus uns erlöst hat.
Fußwaschung als Geste der Demut
Abendmahlsgottesdienst in Dreifaltigkeit
Am Abend des Gründonnerstages fanden sich Gläubige in der Dreifaltigkeitskirche zur Feier des Letzten Abendmahles ein. Dabei wurde der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst gedacht und als Geste der Demut wusch Stadtpfarrer Joachim Steinfeld zwölf Personen aus den Simbacher Pfarreien des Pfarrverbandes die Füße. In der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther wurde vom Abendmahl berichtet und wie Jesus seine Apostel beauftragt, dieses Mahl zu seinem Gedächtnis zu feiern. Nach der Überlieferung des Johannesevangeliums wusch Jesus zwölf Aposteln die Füße und trocknete sie mit einem Tuch ab. Er übernahm die Aufgabe eines Dieners. Durch dieses Beispiel wollte er zeigen, dass auch die Jünger untereinander zum Dienen bereit sein sollen. „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“, gebot Jesus seinen Jüngern. Stadtpfarrer Joachim Steinfeld übernahm nun den Dienst eines Dieners und wusch Mila Aleric, dem Kommunionkind Josef Blöchl, Elfriede Klingwarth, Organist Matthias Klingwarth, Sonja Leitner, Alina Engleder, Konrad Gschöderer, Andrea Mayer, Kaspar Brodschelm, Josip Lagetar, Dominik Gilg und Vanessa Gschöderer die Füße. Er kniete nieder, goss aus einem Krug Wasser über die Füße und trocknete sie mit einem Tuch ab. „Jesus ahnte, dass es das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern war. Er reichte ihnen Brot, nahm den Kelch und sagte: „Das bin ich! Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Wenn wir Eucharistie feiern, ist Jesus in unserer Mitte, er ist mitten unter uns. Die Fußwaschung ist ein Symbol der Liebe. Jesus übernimmt diesen Sklavendienst selbst. Der Sohn Gottes tut es. Wenn wir versammelt sind, so dürfen wir es als Einladung verstehen, uns von Gott die Füße waschen und seine Liebe in uns hineinströmen zu lassen“, so Steinfeld in seiner Predigt, in der er weiter aufrief, es Jesus nachzutun in der Nächstenliebe und des Dienens. In Konzelebration mit Pfarrer i.R. Josef Kaiser feierte Steinfeld die Eucharistie. Bis zum Gloria läuteten die Glocken, danach verstummten sie. Im Volksmund heißt es, dass die Glocken nach Rom geflogen sind und erst wieder zum Gloria in der Osternacht zurückkommen. Nun kamen hölzerne Ratschen zum Einsatz. Für die festliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgten Sängerinnen und Sänger der Kirchenchöre Simbach und Kirchberg unter Leitung von Regionalkantor Christian Debald. „Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt, wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben“, wurde unter anderem eindrucksvoll gesungen.
Text: Christine Schmid
„Er liebte sie bis zur Vollendung“
Abendmahlsgottesdienst in Ulbering
Im Rahmen der Oster-Liturgie fand in der Ulberinger Pfarrkirche die Gründonnerstags-Abendmahls-Messe für die beiden Pfarrgemeinden Wittibreut und Ulbering statt, zelebriert von Kaplan Magnus Pöschl. Der Gottesdienst war sehr gut besucht und bildete einen feierlichen Rahmen für diesen wichtigen Tag im Kirchenjahr. Beim Gloria erklangen die Glocken der Kirche und die Orgel zum letzten Mal und verstummten dann. Der Geistliche stellte seine Predigt unter den Satz des Johannes-Evangeliums „Er liebte sie bis zur Vollendung“. Damit drückte er aus, dass Gottes Liebe größer und mächtiger sei als alles andere in der Welt: „Mit diesem Satz weiß ich, dass ich angenommen bin und von Gott geliebt werde. Man könnte auch die drei jetzigen österlichen Tage vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu als solche Tage der bedingungslosen Liebe bezeichnen. In diesem Zusammenhang ist auch die Fußwaschung nach dem Abendmahl ein Dienst der liebenden Hingabe damals an seine Apostel, heute zu uns. Das unterstreicht die Liebe Gottes zu den Menschen, wie sie sich in Jesus vollendet. Am Kreuz hat Jesus diese Liebe bis zur Vollendung gezeigt, die letztlich ja in die Auferstehung mündete. Und ähnlich wie beim damaligen Abendmahl, das der Fußwaschung vorausging, empfangen wir heute in der Eucharistie den Leib Jesu. In der Eucharistie ist Jesus also auch gegenwärtig unter uns. Dies zeigt auch, dass die Eucharistie das Zentrum unseres Glaubens ist. Das Sakrament der Eucharistie ist also ein Geschenk dieser vollendeten Liebe, die Christus mit dem Abendmahl eingesetzt hat.“
Mit der Fußwaschung an zwölf Gläubigen aus den beiden Pfarrgemeinden, wie damals an den zwölf Aposteln, symbolisierte Kaplan Pöschl anschließend, dass für Jesus der Dienst am Menschen in großer Liebe das Wichtigste gewesen war. Aus diesem Grunde hatte der Geistliche für dieses Ritual auch das festliche Messgewand abgelegt, um zu zeigen, dass Jesus sich zu seiner Zeit schon als einfach gekleideter Diener der Menschen sah.
Am Schluss des Gottesdienstes wurde als Zeichen der Trauer über den Tod Jesu der Tabernakel vom Geistlichen geleert, das Allerheiligste an einen anderen Ort übertragen und auch symbolisch der Altar von allem befreit. Dazu wurde auch das Ölberg-Evangelium gelesen, das die mit all diesen Trauer-Ritualen verbundene Leidensgeschichte Jesu dokumentiert.
Text: Wolfgang Hascher