Wittibreut/Ulbering (wh). Beim Vormittags-Festgottesdienst zu Allerheiligen für die Pfarreien Wittibreut und Ulbering fragte Pfarrvikar Pater Bijou zunächst in seiner Predigt: „Sind Sie schon einmal einem Heiligen begegnet?” – Am Beispiel eines einsamen Kindes, das am Grab der Mutter trauerte, und um das sich dann sofort eine fürsorgliche Frau kümmerte, zeigte der Geistliche, wie sich ein Mensch liebend einem anderen Menschen zuwenden kann, um zu helfen.

Auch fragte der Geistliche weiter: „Was macht einen Heiligen aus?“ Er gab auch die Antwort: „Heilige zeigen im Leben, was es heißt, die Not der Menschen an sich heranzulassen und zu helfen. Heilige sind Menschen so wie wir. Gott lässt durch sie die Liebe in diese Welt hinein strahlen. Denken wir zum Beispiel an den heiligen Franziskus oder an Mutter Teresa. Oft kennt man ihre Namen allerdings nicht. Das Fest Allerheiligen erinnert uns einerseits an die Heiligen der vergangenen Zeit, es zeigt aber auch, dass sie auch heute unter uns sind. Es fordert uns auf, es ihnen gleich zu tun.“ Der Geistliche schloss den Gottesdienst mit einem Meditationstext über das Licht Gottes: „Wir selbst haben die Kraft, heilig zu leben und heilig zu sein, wir tragen in uns einen Heiligen Kern, denn Gott ist in uns.“
Nachmittags fragte Kaplan Magnus Pöschl in einem Wortgottesdienst in Wittibreut zunächst: „Was trägt uns in der Trauer um einen Menschen? Wie gut ist da die Erfahrung, nicht allein zu sein. Wir sind froh, dass unsere christliche Kultur manches für uns bereithält, um auch in der Trauer Trost zu finden. Allerdings wird das Abschiednehmen immer mehr zur Privatsache. Auch die Corona-Pandemie hat dies zusätzlich gefördert. Das anonyme Abschiednehmen birgt die Gefahr, Wichtiges zu vernachlässigen. Denn Solidarität zu erfahren und die Möglichkeit, in der Trauer Solidarität den Hinterbliebenen zu zeigen, ist bedeutsam, gerade in Zeiten der Unsicherheit. Da ist es wichtig, zu wissen, dass man nicht allein ist. Lassen wir unsere Trauerkultur nicht in Vergessenheit geraten. Gott schenkt uns Mut, indem er sagt: ‚Nicht der Tod hat die Macht, sondern das Leben, das ich euch schenke‘. Doch dazu müssen wir es auch zulassen, dass diese Worte Gottes uns erreichen und dass wir durch sie Trost erfahren.“ Kaplan Magnus Pöschl las dann noch die Namen der seit dem letzten Allerheiligentag Verstorbenen. Beim anschließenden Rundgang auf dem Friedhof segnete er die Gräber der Verstorbenen und die an den Gräbern trauernden Angehörigen.
In Ulbering meinte Pastoralreferent Martin Eibelsgruber anlässlich des Wortgottesdienstes am Allerheiligen-Nachmittag: „Wir sind hier, weil wir dem Leben vertrauen, das Gott uns schenkt, und wir werden uns bewusst, dass auch unser Leben einmal zu Ende geht. Deshalb wollen wir so leben, dass wir unser Dasein einmal gut an Gott zurückgeben können.“ Und weiter: „Viele Menschen sind heute zusammengekommen, um der Toten zu gedenken. An diesem Tag hat auch das Nachdenken über unsere Begrenztheit seinen Platz. Jeder verbindet etwas Eigenes mit diesem Tag. Mancher denkt über Werden und Vergehen nach und macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens. Andere sind dankbar, der Verstorbenen gedenken zu können. Da gibt es nämlich die Erinnerung an Menschen, die wir vermissen. Sie sind einfach nicht mehr da, obwohl wir sie bräuchten. In Ulbering entzündete Mesnerin Andrea Brumbauer Kerzen für die seit letztem November Verstorbenen der Pfarrei, deren Namen Pastoralreferent Martin Eibelsgruber verlas.

Doch der Tod stellt alles infrage, er ist das große Nein, das große Ende zu jeder Beziehung. Und da wenden wir uns anderen Menschen zu, genau damit protestieren wir auch gegen den Tod. Gott lässt keinen Menschen fallen, der Tod hat darüber keine Macht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es immer wieder spüren können, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Wie gut, dass Sie durch ihr Hier-Sein zeigen, dass der Tod eine Sinnlosigkeit ist, mit der Sie sich nicht abfinden wollen. Der Glaube an Gott schenke auch uns Trost und Zuversicht.“ In der Ulberinger Kirche wurde dann für jeden seit dem letzten Allerheiligenfest Verstorbenen eine Kerze entzündet. Abschließend segnete der Pastoralreferent beim Friedhofs-Rundgang die Gräber und die Angehörigen der Toten.