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Weltkirche

Friedliches Miteinander von Christen und Muslimen

Simbach am Inn Pfarrverband am 16.10.2020

2020 10 15 Senegalreise

Theresia Nüßlein schreibt von ihren Eindrücken von der Vorbereitungsreise zur Woche der Weltmission in den Senegal

West­afri­ka ist die Schwer­punkt­re­gi­on bei der Welt­mis­si­ons­wo­che jetzt im Okto­ber. Der bay­ern­wei­te Eröff­nungs­got­tes­dienst fin­det heu­er in Pas­sau statt und zur Vor­be­rei­tung reis­te eine Dele­ga­ti­on mit Bischof Ste­fan Oster und mis­sio-Prä­si­dent Mon­si­gno­re Wolf­gang Huber im Febru­ar in den Sene­gal. Ich durf­te als Ver­tre­te­rin der KLB (Katho­li­sche Land­volk­be­we­gung) Pas­sau an die­ser Rei­se teilnehmen.

Die KLB pflegt seit über 25 Jah­ren eine Part­ner­schaft mit der Diö­ze­se St. Lou­is im Sene­gal und der dor­ti­gen Cari­tas. Nach einem Besuch im Jahr 2014 war es mei­ne zwei­te Rei­se nach West­afri­ka. Schon damals hat­te ich ver­spro­chen, wie­der zu kom­men in die­ses Land, das mich mit sei­nen über­aus gast­freund­li­chen Men­schen, mit Trom­mel­rhyth­mus, mit den leuch­ten­den Far­ben der bun­ten Stof­fe, aber auch mit vie­len Wider­sprü­chen gepackt hat.

Schwer­punkt unse­rer Rei­se im Febru­ar war der reli­giö­se Dia­log in West­afri­ka. Sene­gal ist dafür ein Mus­ter­bei­spiel. Von den 16 Mil­lio­nen Ein­woh­nern sind rund 90 Pro­zent Mus­li­me und 7 Pro­zent Chris­ten. Sie leben hier in Frie­den, getra­gen von gegen­sei­ti­gem Respekt mit­ein­an­der. Das ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, wie die Nach­bar­län­der Mau­re­ta­ni­en, Niger und ganz aktu­ell auch Mali zei­gen, wo ein radi­ka­ler Islam um sich greift.

War­um ist das fried­li­che Zusam­men­le­ben im Sene­gal mög­lich? Eine Ant­wort dar­auf gab uns am ers­ten Abend direkt nach unse­rer Ankunft schon der deut­sche Bot­schaf­ter Ste­phan Röken: Sene­gal ist kei­ne isla­mi­sche Repu­blik, son­dern eine Prä­si­di­al-Demo­kra­tie, in der die Tren­nung von Reli­gi­on und Staat fest in der Ver­fas­sung ver­an­kert ist. Im Sene­gal wird ein tole­ran­ter Islam gelebt. Poli­tik und Gesell­schaft wol­len Kon­flik­ten kei­ne Chan­ce geben.

Eine wich­ti­ge Basis für das Zusam­men­le­ben wird in den Schu­len gelegt. Wie uns der zustän­di­ge Schul­re­fe­rent berich­te­te, wer­den z.B. in den 65 Schu­len der Diö­ze­se Thies knapp 18.000 Schü­ler unter­rich­tet. Etwa drei Vier­tel der Kin­der sind Mus­li­me. Obwohl die öffent­li­chen Schu­len kos­ten­los sind, zah­len auch mus­li­mi­sche Eltern lie­ber Schul­geld für die aner­kannt gute Bil­dung in den katho­li­schen Schu­len. Auch vie­le mus­li­mi­sche Ent­schei­dungs­trä­ger aus Poli­tik und Gesell­schaft haben ihre schu­li­sche Aus­bil­dung an einer katho­li­schen Schu­le durch­lau­fen und sind daher gut ver­traut mit dem christ­li­chen Wertekanon.

2020 10 15 Senegalreise muslimisch christliches Paar
Ein muslimisch-christliches Ehepaar
2020 10 15 Senegalreise Gruppenfoto Dakar Wolfgang Bayer klein
die Passauer Delegation

Auf unse­rer sie­ben­tä­gi­gen Rei­se lern­ten wir vie­le Bei­spie­le für geleb­tes Mit­ein­an­der von Chris­ten und Mus­li­men ken­nen: ein Kran­ken­haus, kirch­li­che Sozi­al­ar­beit für Stra­ßen­kin­der, ein kirch­li­ches Mikro­fi­nanz­in­sti­tut, ein mus­li­misch-christ­li­ches Paar, das seit 33 Jah­ren glück­lich ver­hei­ra­tet ist.
Lebens­freu­de pur durf­ten wir erle­ben in Clai­re Ami­tié, einer Schu­le zur Aus­bil­dung von Mäd­chen. Die jun­gen Frau­en ler­nen hier neben Kochen und Nähen auch Grund­la­gen am Com­pu­ter. Nach einem Rund­gang durch die Aus­bil­dungs­räu­me wur­den wir in einem gro­ßen Gemein­schafts­saal von rund 80 tem­pe­ra­ment­vol­len jun­gen Frau­en mit Trom­mel­mu­sik und Tän­zen emp­fan­gen. Rund 60 % der jun­gen sene­ga­le­si­schen Bevöl­ke­rung sind übri­gens unter 20 Jah­re alt.

Genau­so schwung­voll war der Got­tes­dienst zum Patro­zi­ni­um der Kir­che in St. Lou­is, bei dem wir vom dor­ti­gen Bischof Ernest Sam­bou und der Gemein­de als Dele­ga­ti­on herz­lich emp­fan­gen wur­den. Beein­dru­ckend für uns alle war die getanz­te Gaben­pro­zes­si­on. Aus zeit­li­chen Grün­den lei­der abge­sagt wur­de ein Aus­flug in das Pro­jekt­ge­biet der KLB Pas­sau in Podor. Ich hät­te ger­ne gese­hen, wie dort Gemü­se und Reis wächst, das mit der neu­en Pum­pe bewäs­sert wird, und Morin­ga-Bäu­me, um die Wüs­te hier im Süden der Saha­ra auf­zu­hal­ten. Beim nächs­ten Mal, ich wer­de ja wie­der­kom­men, habe ich erneut versprochen.

Text: The­re­sia Nüßlein